Warum ist die Kleiderordnung im Büro so wichtig?


Für viele deutsche Arbeitnehmer gehören Kleiderordnungen zu den unangenehmsten Teilen des Berufslebens. Vor allem, wer von seiner Persönlichkeit her großen Wert auf Individualität legt, sieht oft überhaupt nicht ein, warum er tagein, tagaus in immer dem gleichen Business-Anzug ins Büro muss oder gar in einer vom Arbeitgeber gestellten Uniform zum Dienst antanzen soll.

Kein Wunder also, dass manch einer derlei Auflagen nicht immer so ernst nimmt. Gerade während einer Hitzewelle trauen sich viele aus reiner Bequemlichkeit, das ein oder andere formelle Kleidungsstück wegzulassen – in Flip-Flops statt der dunkeln Lederschuhe und kurzen Hosen statt des noblen Tweed fühlt man sich doch gleich freier.

Doch beim lockeren Umgang mir Kleidungsvorschriften  ist Vorsicht geboten. Tatsache ist, dass in Deutschland das Missachten der Kleiderordnung im allgemeinen ein völlig ausreichender Grund zur Entlassung eines Angestellten ist. Erst kürzlich wurde zum Beispiel die Kündigung einer Mitarbeiterin eines Möbelhauses in Cottbus vom dortigen Arbeitsgericht als zulässig bestätigt.

Die Angestellte hatte zwei Mahnungen der Chefetage erhalten und wurde beim dritten Verstoß fristgerecht entlassen. Der Richter verwies in der Urteilsbegründung darauf, dass die Frau durch ihr Verhalten ihre arbeitsvertraglichen Pflichten verletzt habe, denn die Dienstkleidung unterliege dem Weisungsrecht des Arbeitgebers.

Natürlich kann sich ein Chef nicht einfach ausdenken, was seine Mitarbeiter zu tragen haben. Was genau die Kleiderordnung umfasst, hängt von der Branche ab. Einige Sicherheits- und Hygienevorschriften, die das äußere Erscheinungsbild beeinflussen, sind zum Beispiel sogar gesetzlich vorgeschrieben und können von niemandem außer Kraft gesetzt werden. Ein Bauarbeiter kann sich noch so sträuben, einen Helm aufzusetzen, ohne wird er schlicht nicht auf die Baustelle gelassen. Und im Restaurant müssen die Köche selbstverständlich eine Kopfbedeckung tragen, damit ihre Haarpracht nicht das Essen verunreinigt.

Doch auch weniger offensichtliche Fälle sind oft streng geregelt. So müssen sich die Mitarbeiter der Sicherheitskontrolle des Flughafens Köln-Bonn beispielsweise vorschreiben lassen, einfarbige Unterhosen in Weiß oder Hautfarbe zu tragen – Blümchenmuster sind streng verboten. Auch dieser Fall landete vor dem Arbeitsgericht und wurde im Sinne des Arbeitgebers entschieden. Im dortigen Urteil hieß es: „Es bedarf einer Gesamtabwägung zwischen der Intensität des Eingriffs und dem Gewicht der ihn rechtfertigenden Gründe; die Grenze der Zumutbarkeit darf nicht überschritten werden.“

Wo genau diese Grenze des Zumutbaren liegt, ist allerdings immer eine Frage des Einzelfalls. Am srengsten sind die Vorschriften oft in der Welt der Hochfinanz und ähnlich wirkungsmächtigen Bereichen. Dort hat ein teures, gediegenes Outfit auch die Funktion, Seriosität und Kompetenz auszustrahlen. Wer würde schon einem Bänker vertrauen, der im Trainingsanzug zum Meeting kommt? Einen weiteren guten Grund kennt die Berliner Psychologin Lisa Zimmermann: „Die Businessmode kommt aus der Uniformiertheit, denn sie soll den Menschen neutralisieren, die Sache in den Vordergrund stellen, nicht die Person“, sagt sie in „Die Welt“.

Wer ein echtes Problem damit hat, seine eigenen Kleidungsgewohnheiten von Montag bis Freitag vorübergehend an den Nagel zu hängen, der ist vielleicht doch bei der Heimarbeit am besten aufgehoben. Ein großer Vorteil des Büros zu Hause ist, dass man die Regeln selbst macht. Wem es beliebt, der kann am heimischen Schreibtisch auch ganztägig im Lieblings-Pyjama herumsitzen.

 


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