Wer verdient mehr, Mann oder Frau?


Verdienen Männer wirklich mehr als Frauen?

Seit weit mehr als einem Jahrhundert kämpfen Frauen in Deutschland und weltweit nun schon um die rechtliche Gleichstellung mit dem männlichen Geschlecht. Was Mitte des 19. Jahrhunderts anfing als Kampagne für das Wahlrecht der Frauen hat sich in weiteren Wellen über die feministischen Emanzipationsbewegungen der Nachkriegszeit bis zum kulturell fest verankerten Post-Feminismus der heutigen Tage entwickelt.

Und obwohl es keinen Zweifel daran gibt, dass sich die Rolle der Frau in diesem Zeitraum drastisch verändert hat und – zumindest in Deutschland – weit mehr Gleichstellung üblich ist als anno dazumal, gibt es weiterhin viele Bereiche, in denen sich althergebrachte Vorurteile halten, die das Leben von Frauen negativ beeinflussen.

Einer der wichtigsten Lebensbereiche, in denen es immer noch klaffende Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, ist der Arbeitsmarkt. Trotz aller gesellschaftlichen und gesetzlichen Bemühungen, die gleiche Bezahlung der Geschlechter durchzusetzen, bleiben die Unterschiede eklatant. Auch in den jüngsten Statistiken, die die sogenannte „Gender Pay Gap“ (GPG) analysieren, bestätigt sich das alte Bild: Männer verdienen im Durchschnitt satte 23 Prozent mehr.

Das hat allerdings nicht nur damit zu tun, dass Männer häufig für die gleiche Arbeitsleistung mehr gezahlt bekommen. Die Ursachen für die drastischen Unterschiede fangen schon bei der Berufswahl an. Noch immer neigen weibliche Berufseinsteiger eher dazu, Tätigkeiten mit geringen Verdienstmöglichkeiten und Anforderungen zu bevorzugen. Das liegt laut Experten oft an den fehlenden Rollenbildern sowie an einer in vielen Bundesländern rückständigen Beratung.

Doch selbst, wenn man solche Faktoren nicht in der Statistik berücksichtigt, sondern nur den Gehaltsunterschied zwischen Mann und Frau bei absolut gleicher Leistung in Betracht zieht, landet man bei einer schockierenden Zahl. Diese sogenannte „bereinigte“ GPG liegt in Deutschland bei acht Prozent. Das bedeutet, dass Männer im Schnitt acht Prozent mehr Geld bekommen, ohne einen Deut mehr oder besser zu arbeiten.

Wie kommt´s? Christiane Funken, Professorin für Geschlechtersoziologie an der TU Berlin sagte im Interview mit „Welt.de“: „Das zentrale Kriterium ist, dass in den Köpfen der Manager Stereotypen über Frauen vorherrschen: Frauen wird unterstellt, sie seien weniger produktiv, sie hätten weniger Durchsetzungskraft und sie würden im Beruf eher ausfallen, weil sie sich um Kinder oder kranke Eltern kümmern müssten.“

Die Tatsache, dass die Idee der Gleichstellung von Mann und Frau in den Chefetagen Deutschlands noch nicht angekommen ist, lässt sich auch daran ablesen, dass in eben jenen oberen Etagen weiterhin kaum Fraun sitzen. Nur ein Drittel aller Führungspositionen sind hierzulande von Frauen besetzt. Noch drastischer: Auf der Vorstandebene sinkt diese Quote auf lausige drei Prozent. Da die meisten Personalfragen somit letzten Endes von einem Mann getroffen werden, wundert es weiter nicht, dass sich Frauen schwer tun, im Betrieb nach ganz oben zu kommen.

Immerhin, das Problem ist erkannt und soll behoben werden. Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland jedes Jahr den „Equal Pay Day“, an dem auf die bestehenden Differenzen hingewiesen werden soll. Auch wird seit langem an neuen gesetzlichen Regelungen gearbeitet, die Frauen den Einstieg in traditionell männer-dominierte Sphären zu erleichtern. Da es aber Widerstand aus der Wirtschaft gegen die Einführung einer Pflicht-Quote gibt, bleibt abzuwarten, ob sich die Lücke in näherer Zukunft wirklich schließen wird.

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