Netzwerk Marketing: Wie funktioniert das?



Netzwerk Marketing in Heimarbeit

Als Netzwerk Marketing (Network Marketing auf Englisch) wird eine spezielle Form des Vertriebs bezeichnet, bei der bestimmte Produkte nicht über normale Läden oder das Internet verkauft werden, sondern über spezielle Verkäufer. Diese nutzen ihr privates Kontaktnetzwerk um einerseits das Produkt zu verkaufen und andererseits weitere Verkäufer zu gewinnen, die dann wiederum ihre eigenen Netzwerke ansprechen.

Die Entwicklung des Netzwerk Marketings

Eine der ersten Firmen, die auf den Direktvertrieb setzte, war der amerikanische Kosmetikkonzern Avon, der bereits 1886 als „California Perfume Company“ gegründet wurde und 1939 als Hommage an Shakespeare und seine Heimatstadt Stratford-upon-Avon umgetauft wurde. Etwa zur gleichen Zeit entstand mit der Firma Amway ein weiterer Pionier des Netzwork Marketing, bzw. Multi-Level-Marketing (MLM). Diese Firmen setzen in den 50er bis 70er Jahren vor allem auf die zahllosen Hausfrauen in den weitläufigen amerikanischen Vorortsiedlungen, die ohne ein eigenes Auto mehr oder weniger ans Haus gebunden und dort tagsüber alleine waren. Sie freuten sich regelrecht auf den Besuch der „Avon Lady“, die ihnen bei Kaffee und Keksen die neuesten Kosmetikprodukte des Hauses präsentierte oder der Amway-Vertreter, die vor allem Nahrungsergänzungsmitteln wie Nutrilite im Gepäck hatten. Die Verkäufer wollten natürlich nicht nur ihre Produkte an die Frau bringen, sondern im Idealfall auch weitere Verkäufer und Avon Ladies rekrutieren, die dann in der Nachbarschaft die Produkte angeboten. Dies unterschied das Multi-Level-Marketing vom herkömmlichen Handelsvertreter, der einfach nur (zum Beispiel mit dem Vorwerk-Staubsauger in der Hand) von Tür zu Tür geht um seine Ware anzupreisen.

Der Begriff Multi-Level-Marketing bezieht sich darauf, dass ein guter Verkäufer in der Hierarchie aufsteigt und dabei mehr Provisionen erhält, je höher seine Position ist. So bekommt der einfache Verkäufer zunächst nur Provision auf die selbst verkauften Produkte. Wirbt er nun weitere Verkäufer an, erhält er eine Art „Superprovision“ auf dessen Verkäufe. Ein Beispiel:

Maria verkauft in einem Monat Kosmetika im Wert von 150 Euro und erhält dafür 20% Provision: 30 Euro, die sie selbst behalten darf. Zusätzlich wirbt sie mit Anna und Julia zwei weitere Verkäuferinnen. Im folgenden Monat verkauft Maria selbst Kosmetika im Wert von 200 Euro, während Anna und Julia Produkte im Wert von 100 Euro verkaufen. Maria erhält nun neben den 20% Provision für ihre selbstverkauften Produkte (40 Euro) noch einmal 5% Provision auf die von Anna und Julia verkauften Produkte (2x 5 Euro). So verdienen die von ihr geworbenen Verkäuferinnen quasi für sie mit (so wie diejenige, die einst Maria geworben an, an ihr mit verdient).

Warum Multi-Level-Marketing kein Schneeballsystem

In einem für die ganze Branche wichtigen Präzedenzfall entschied die US-amerikanische Bundeshandelskommission FTC, dass es sich beim Multi-Level-Marketing von Amway nicht um ein Schneeballsystem handelt, sondern um eine legale Methode, möglichst viele Verkäufer/innen für den großflächigen Vertrieb zu gewinnen und tatsächlich die entsprechenden Produkte zu verkaufen. Bei illegalen Schneeballsystemen geht es dagegen hauptsächlich darum, immer mehr Menschen zum Mitmachen zu bewegen, obwohl gar keine Produkte oder Dienstleistungen verkauft werden. Diese sind dann eher im Bereich Finanzdienstleistungen zu finden, wo der Traum vom bequemen Reich werden am weitesten verbreitet ist.

Avon verkaufen und Geld verdienen

Vom Multi-Level-Marketing zum Netzwerk-Marketing

Beide Begriffe werden heute oft austauschbar verwendet, da sie beide den Direktvertrieb neuer Produkte im privaten Umfeld und das Werben weiterer Verkäufer zum Ziel haben. Zum Netzwerk-Marketing gehört meist jedoch weniger die private Ansprache, bei der die Avon Lady mit dem Köfferchen ins Haus kommt und nur der Hausfrau (und vielleicht ihrer Tochter oder Nachbarin) die neuesten Produkte anpreist, sondern eher Verkaufsveranstaltungen.

Das wohl bekannteste Beispiel hier ist Tupperware: „Tupperpartys“ gab es in den USA schon in den 60er Jahren, doch in Deutschland fanden sie vor allem in den 80er und 90er Jahren riesige Verbreitung, ehe es zu einem Umsatzeinbruch kam. Für die Tupperpartys sprach die Verkäuferin zunächst Personen in ihrem Umkreis an und brachte eine Frau dazu, als Gastgeberin aufzutreten. Diese lud wiederum ihre Freundinnen ein und bereitete Snacks und Getränke vor, so dass eine gemütliche Atmosphäre entstand. Die Tupperware-Verkäuferin konnte dann in diesem Rahmen ihre Produkte anpreisen und meist auch erfolgreich verkaufen.

Dahinter steckte natürlich ausgeklügelte Psychologie: Die Gäste wussten, dass sich die Gastgeberin viel Mühe gemacht hatte mit dem Abend und wollten sie nicht enttäuschen, indem sie gar nichts bestellten. Und wenn erst einmal die ersten Gäste Töpfchen und Dosen auf der Bestellliste angekreuzt hatten, wollten auch die anderen nicht nachstehen. Außerdem bekamen die Gäste und die Gastgeberin stets einen Artikel geschenkt, was den Druck, dann kostenpflichtig etwas zu bestellen noch erhöhte.

Netzwerk Marketing heute

Schickte Vorwerk seine Staubsaugervertreter noch einfach von Tür zu Tür, ist der deutsche Hersteller von Haushaltsprodukten längst auch ins Netzwerk Marketing eingestiegen: Der große Verkaufshit ist heute der sündhaft teure Thermomix, eine Küchenmaschine, die gestressten Frauen die Arbeit des abendlichen Kochens abnimmt: Einfach alle Zutaten in den Thermomix geben, Knöpfchen drücken und fertig: Von der Spargelcremesuppe über den Sonntagsbraten bis zum frisch gebackenen Brot schafft die Wundermaschine alles. Dafür hat sie auch ihren entsprechenden Preis. Um potenzielle Kundinnen davon zu überzeugen, dass sie diesen Preis wert ist, würde eine fünfminütige Vorführung im Kaufhaus natürlich nicht reichen: Daher setzt Vorwerk auf „Kochpartys“, bei denen die Gastgeberin ihre Freundinnen einlädt und die Thermomix-Verkäuferin unterschiedliche Gerichte zubereitet. Diese werden dann in geselliger Runde verspeist – und die Bestellzettel für die Maschine rundgereicht. Auch hier wird wieder auf den psychologischen Druck gesetzt: Nachdem sich Verkäuferin und Gastgeberin so viel Mühe gemacht haben und ein leckeres mehrgängiges Essen aufgetischt haben, fällt es schwer, Nein zu sagen.

als Tupperberaterin arbeiten, Tupperberaterin in Heimarbeit, mit Tupperware Geld verdienen

Für wen ist Netzwerk Marketing gut geeignet?

Ein Job im Netzwerk Marketing ist nicht jedermanns Sache, doch für den richtigen Menschentyp ist es eine dankbare Aufgabe: Viel Kontaktfreude gehört dazu, ein herzliches einnehmendes Wesen und ein umfangreiches eigenes Netzwerk, d.h. ein großer Freundeskreis. Hilfreich ist es, zusätzlich im Internet gut vernetzt zu sein und beispielsweise über Facebook-Gruppen, XING oder Twitter weitere Netzwerke zu erreichen. Jeden Tag sollten schon ein-zwei Stunden Zeit eingeplant werden für die Kontaktpflege: Schließlich müssen bestehende Kunden immer wieder ermuntert werden, neue Einkäufe zu tätigen und weitere Partys zu veranstalten. Dazu müssen immer wieder neue Kunden geworben und mit Glück selbst geworbene weitere Verkäufer betreut werden, bis diese ganz eigenständig Fuß gefasst haben. Dazu kommt die Kommunikation mit dem jeweiligen Unternehmen wie Avon, Tupperware oder Vorwerk und die eigene Buchhaltung, denn die Mitarbeiter sind grundsätzlich selbständig und werden auf Provisionsbasis bezahlt. Um Steuern, Sozialversicherungen u.a. müssen sie sich selbst kümmern.

Diese Selbständigkeit und die damit verbundene finanzielle Unsicherheit ist auch nicht jedermanns Sache. Es verkauft sich lockerer und leichter, wenn beispielsweise der Partner ein festes Monatsgehalt mit nach Hause bringt und die Tätigkeit nur ein Nebenjob ist, um einerseits Wünsche wie Urlaubsreisen oder Kleidung zu erfüllen und andererseits um eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben. Dann aber kann Netzwerk Marketing mit viel Engagement eine wirklich erfüllende Tätigkeit sein, die von den Auftraggebern nicht nur mit guten Provisionen belohnt wird, sondern manchmal auch mit weiteren Belohnungen wie einem Firmenwagen oder Sachgeschenken.


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