Arbeiten, wenn der Rest der Welt schläft


Nachts arbeiten

Wer nachts durch die Straßen deutscher Städte flaniert, kommt wohl nur in den wenigsten Fällen auf den Gedanken, dass hinter den ruhigen Kulissen dunkler Häuser in Wahrheit oft hektische Betriebsamkeit steckt. Denn in Deutschland ist die Nachtarbeit ein Massenphänomen. Jede Nacht strömen zwischen 23 und 6 Uhr mehr als drei Millionen Menschen zu ihrer Arbeitsstelle. Anderen Zahlen zufolge sind es sogar fast zehn Prozent aller Werktätigten, die dann ihre Brötchen verdienen, wenn alle anderen schlafen. Dabei sind es nicht nur die klassischen Nachtberufe wie die der Schichtarbeiter bei der Polizei, den Verkehrsbetrieben oder im Krankenhaus, die die Nacht zum Tag machen. Tatsächlich finden sich die meisten Nachtarbeiter in deutschen Fabriken, im verarbeitenden Gewerbe. Bei großen Autoherstellern zum Beispiel stehen die Montagebänder nie still – das könnte man sich wegen des hohen internationalen Konkurrenzdrucks gar nicht erlauben. Standardisierte Prozesse, die Zeit, aber nicht viel Hirnschmalz brauchen, können bei Mondschein in aller Ruhe erledigt werden.

Produktion am laufenden Band

Für die Arbeitnehmer ist die Nachtarbeit eine zweischneidige Angelegenheit. Auf der einen Seite ist es in Deutschland oft recht lukrativ, erst nach Einbruch der Dämmerung loszulegen. Nachttarife sind in vielen Branchen gewerkschaftlich geregelt, und wer sich regelmäßig für Nachtdienste bereit findet, kann am Ende des Monats eine ganze Stange extra mit nach Hause nehmen. In manchen Bereichen können die Nachtzuschläge sogar bis zu 100 Prozent des Normal-Lohns betragen. Ein weiterer positiver Punkt ist, dass an vielen Arbeitsstellen nachts einfach weniger los ist. Krankenpfleger finden dann häufiger mal ein freundliches Wort für ihre Patienten, und die Fahrer von Nachtbussen haben endlich mal keine Probleme mit Staus in der Innenstadt. Hinzu kommt, dass in vielen Krankenhäusern jede Nachtschicht mit einer Reihe an freien Tagen abgeglichen wird. Netto bleibt für den Nachtarbeiter also oft mehr Freizeit übrig. Außerdem finden es manche Arbeitnehmer angenehm, tagsüber zu Hause sein zu können. Gerade für junge Familien kann es oft hilfreich sein, wenn immer zumindest ein Elternteil im Haus ist. Doch natürlich gibt es auch negative Effekte der Nachtarbeit. Zu den wohl schwerwiegendsten zählen die gesundheitlichen Risiken, auf die man sich einlässt. Der menschliche Körper ist von Natur aus einfach nicht auf das Wachsein mitten in der Nacht eingestellt. Ganz abgesehen davon, dass deshalb nachts auch kein besonders hohes Leistungsvermögen zur Verfügung gestellt wird, kann das ernsthafte medizinische Probleme verursachen. Zu den typischen „Nebenwirkungen“ der Nachtarbeit zählen Kopfschmerzen und Magen-Darm-Erkrankungen, und schon seit 2007 hat die Weltgesundheitsbehörde Schichtarbeit offiziell mit dem unschönen Label „krebserregend“ versehen.

Globalisierung macht’s möglich

Ein Rückgang der Nachtarbeit ist aber nicht in Sicht – im Gegenteil, in den vergangenen Jahren hat sich die Anzahl der deutschen Nachteulen stark erhöht. Das liegt zum Teil daran, dass die für Arbeitgeber teuren Nachtschichten als Reaktion auf die globale Wirtschaftskrise seit 2008 heftig gekürzt worden waren und sich erst jetzt wieder auf dem alten Niveau einpendelt. Zum Teil liegt die Ursache aber auch in der veränderten Erwartungshaltung vieler Konsumenten, die mittlerweile lange Öffnungszeiten von ihren Supermärkten einfach erwarten sowie der verstärkte Export ins Ausland. Durch die Globalisierung ist in vielen Unternehmen rund um die Uhr betrieb, um so für den Rest der Welt zu jeder Zeit erreichbar zu sein. FazitOb Nachtarbeit für einen persönlich in Frage kommt, muss letzten Endes jeder individuell entscheiden. Wer körperlich nicht stark von unregelmäßigem Schlaf strapaziert wird, sollte die Chance, leicht mehr zu verdienen, unbedingt in Erwägung ziehen.

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