Heimarbeit und Steuererklärung: Das müssen Sie beachten



Steuererklärung Heimarbeit - Das sollten Sie beachten

Beim Thema Heimarbeit und Steuererklärung denken die meisten Menschen sofort an das steuerlich absetzbare Arbeitszimmer. Es gibt jedoch noch einiges andere, was bei einem Nebenjob in Heimarbeit zu beachten ist. In diesem Beitrag wollen wir das Thema einmal von allen Seiten beleuchten, damit Sie genau wissen, worauf es bei der Steuererklärung ankommt.

Nebenjob, Vollzeitstelle, Freiberufler?

Zur Berechnung der Steuern muss zunächst einmal geklärt werden, ob es sich bei der Heimarbeit um einen Nebenjob handelt oder um eine Vollzeitstelle in selbständiger Tätigkeit, bei der wiederum die Kleinunternehmerregelung in Frage kommt. In bestimmten Branchen gelten Sie auch als Freiberufler mit eigenen Regeln. Fassen wir zusammen, welche unterschiedlichen Formen es gibt:

  • Nebenjob in Heimarbeit neben einer Vollzeitstelle
  • Minijobber
  • Gewerbetreibender in Heimarbeit mit Einkünften über 17.500€ pro Jahr
  • Gewerbetreibender in Heimarbeit mit Einkünften bis 17.500€ pro Jahr (Kleinunternehmer)
  • Freiberufler in Heimarbeit mit Einkünften über 17.500€ pro Jahr
  • Freiberufler in Heimarbeit mit Einkünften bis 17.500€ pro Jahr (Kleinunternehmer)

Steuererklärung bei einem Nebenjob

Sind Sie bei einem Unternehmen festangestellt und arbeiten nebenher noch einige Stunden von zuhause um sich etwas hinzu zu verdienen oder weil Sie hoffen, dass aus dem Nebenjob irgendwann eine hauptberufliche Selbständigkeit wird, gelten für den Nebenjob die gleichen Regeln wie für den Hauptberuf: Erledigen Sie die Heimarbeit als Angestellte für ein Unternehmen (z.B. Datenerfassung, Bastelarbeiten für ein Geschäft oder die Betreuung von Websites) benötigen Sie für den Nebenjob eine zweite Lohnsteuerkarte, über die die Steuern abgerechnet werden. Etwaige Zusatzkosten, zum Beispiel für ein „Diensthandy“, wenn Sie von zuhause telefonischen Kundendienst übernehmen, können Sie als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Eine Ausnahme stellen Minijobs dar: Hier benötigen Sie keine zweite Lohnsteuerkarte, können aber auch keine Werbungskosten geltend machen.

Steuern bei der Heimarbeit

Steuererklärung für Selbständige in Heimarbeit

Da in Deutschland noch immer eine starke Präsenzkultur herrscht, ist es jedoch nicht leicht, einen Nebenjob bei einer bestimmten Firma zu finden, den Sie in Heimarbeit erledigen können. Die meisten Menschen, die von zuhause aus arbeiten möchten, machen sich daher selbständig. Hierbei ist es nun zunächst egal, ob Sie diesen Job neben einer Vollzeitstelle zusätzlich machen oder hauptberuflich. In beiden Fällen muss die Tätigkeit als Gewerbe angemeldet werden. Wollen Sie sich nebenberuflich selbständig machen, sollten Sie außerdem die Genehmigung Ihres Arbeitgebers einholen. Dies ist zwar nicht rechtlich verpflichtend, jedoch ein höflicher Zug, der Ihnen auch viel Ärger erspart, sollte der Chef per Zufall dahinter kommen, dass Sie stets überpünktlich die Firma verlassen, weil Sie zuhause für Ihren kleinen Catering-Betrieb kochen müssen.

Handelt es sich um eine nebenberufliche Selbständigkeit, müssen Sie bei der Steuererklärung zusätzlich zur „normalen“ Einkommensteuer die Anlage EÜR (bei Einkünften über 17.500€ pro Jahr) oder die Anlage S (bei unter 17.500€) ausfüllen. Hier genügt meist die einfache Buchführung (Einnahme-Überschuss-Rechnung), bei der Sie auflisten, welche Einkünfte Sie hatten und welche Ausgaben notwendig waren. Dies wird mit Ihren anderen Einkünften und Ausgaben der Steuererklärung zusammengerechnet und entsprechend versteuert. Führen Sie unbedingt ein Kassenbuch oder Journal über Ihre Einnahmen und Ausgaben und heben Sie Kontoauszüge, Rechnungen und Belege auf!

Die Gewerbeanmeldung

Vergessen Sie auch nicht, dass für jede selbständige Tätigkeit, bei der Sie etwas verkaufen möchten, eine Gewerbeanmeldung notwendig ist! Dazu gehen Sie einfach zum örtlichen Gewerbeamt, füllen Ihren Antrag aus und zahlen eine Bearbeitungsgebühr. Die Genehmigung flattert innerhalb weniger Tage per Post ins Haus. Bei einem Nebenjob müssen Sie sich um die Gewerbesteuer generell keine Gedanken machen: Erst ab 24.500,-€ Gewinn im Jahr muss diese gezahlt werden.

Die hauptberufliche Selbständigkeit

Für die hauptberufliche Selbständigkeit gibt es viele gute Gründe: Sei es, dass Sie sich neben der Kindererziehung etwas dazu verdienen möchten ohne in den Mühlen eines Betriebes gefangen zu sein, sei es, dass Sie trotz intensiver Stellensuche nichts gefunden haben oder dass Ihre gebastelten Deko-Artikel ohnehin schon so stark nachgefragt sind, dass Sie damit garantiert Geld verdienen könnten.

Bei der hauptberuflichen Selbständigkeit wird zunächst zwischen Freiberuflern und Gewerbetreibenden unterschieden. Welche Berufe zu den „freiberuflichen Tätigkeiten“ gehören, definiert §18 EStG eher schlecht als recht. Definitiv dazu gehören u.a. Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Architekten, Ingenieure und Journalisten, die gewissermaßen nur ihre Geisteskraft verkaufen, aber keine Produkte. Das gleiche gilt auch für „unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten“, z.B. wenn Sie Nachhilfe geben oder als Tagesmutter arbeiten.

Gerade das Internet hat in den letzten Jahren zahlreiche neue Berufsbilder hervorgebracht, die ebenfalls in diese Kategorie fallen, zum Beispiel Grafik- und Webdesigner, Programmierer und Multimedia-Entwickler. Diese arbeiten überdurchschnittlich häufig selbständig und auch freiberuflich, allerdings sehen das nicht alle Finanzämter so. Je nach geplanter Tätigkeit sollte also zunächst einmal mit dem örtlichen Finanzamt Rücksprache gehalten werden, ob die Tätigkeit unter die „freiberuflichen“ fällt. Wenn ja, bringt Ihnen das einige Vorteile.

Der Freiberufler

Freiberuflern bleibt nicht nur die Gewerbesteuer erspart, sie benötigen auch keinen Gewerbeschein. Wollen Sie sich als Webdesigner oder freier Texter selbständig machen, können Sie quasi sofort loslegen – Sie müssen sich nur beim Finanzamt anmelden um eine entsprechende Steuernummer zu bekommen.

Meist fallen Sie als Freiberufler zumindest am Anfang auch unter die Kleinunternehmerregelung nach §19 des UStG: Solange Sie im vergangenen Kalenderjahr nicht mehr als 17.500€ verdient haben und in diesem Jahr nicht mehr als 50.000€ verdienen, müssen Sie keine Umsatzsteuer zahlen. Andererseits können Sie auch keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Wenn Sie um Beispiel mit dem Erstellen oder Verschönern von Websites 10.000€ im Jahr verdienen, müssen Sie auf Ihre Einkünfte nur die normalen Einkommenssteuern zahlen. Verdienen Sie jedoch zwei Jahre lang hintereinander 20.000€, entfällt die Kleinunternehmerregelung und Sie müssen Umsatzsteuer zahlen und die Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt abgeben. Allerdings ist dies für Sie eigentlich ein Nullsummenspiel: Sie schlagen auf Ihre Rechnungen 19% Mehrwertsteuer auf, die Ihre Kunden an Sie zahlen (und die sie wiederum absetzen können) und führen selbst 19% Umsatzsteuer ab. Der einzige, der etwas davon hat, ist der Steuerberater, der entsprechend mehr Geld kassiert, wenn er für Sie neben der Einkommensteuererklärung auch die Umsatzsteuererklärung macht.

Wenn Sie sich gerade erst als Freiberufler selbständig machen und noch nicht wissen, wie hoch Ihre Einkünfte sind, reicht auch eine Schätzung. Haben Sie dann im ersten Jahr doch schon mehr als 17.500€ verdient, weil es so gut lief, müssen Sie ab dem zweiten Jahr Umsatzsteuern zahlen.

Steuererklärung bei Heimarbeit

Der Gewerbetreibende

Sobald Sie etwas verkaufen – und seien es selbstgebackene Cupcakes oder selbstgehäkelte Schals – sind Sie Gewerbetreibender. Dann wird alles von Anfang an etwas komplizierter.

Wie schon erwähnt, benötigen Sie zunächst einen Gewerbeschein um Ihr Gewerbe überhaupt ausführen zu dürfen. Je nach Tätigkeit müssen Sie evtl. auch Mitglied bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer oder bei der Berufsgenossenschaft werden. Bei der Steuererklärung müssen Gewerbetreibende vor allem eine ordentliche Buchführung beachten, denn für sie gilt die kaufmännische doppelte Buchführung. Es ist unbedingt empfehlenswert, an einem Kurs oder Workshop teilzunehmen, in dem Ihnen genau erklärt wird, wie dies funktioniert und welche Unterlagen Sie beisammen haben müssen.  Immerhin geht dies heute mit der richtigen Software und über das Internet wesentlich leichter als früher.

Übrigens gilt auch für Gewerbetreibende die Kleinunternehmerregelung, d.h. Sie brauchen keine Umsatzsteuer erheben. Dann können Sie allerdings auch nichts von der Steuer absetzen.

Was kann ich von der Steuer absetzen?

Hier kommt nun das berühmte Arbeitszimmer ins Spiel, das jedoch nur eine von vielen Möglichkeiten ist, Geld zu sparen. Zu den wichtigsten Dingen, die Selbständige (egal ob Freiberufler oder Gewerbetreibende) von der Steuer absetzen können, gehören die Aufwendungen für die Krankenversicherungen und die private Altersvorsorge. Auch das eigene Auto kann teilweise abgesetzt werden, wenn es für berufliche Fahrten genutzt wird (z.B. zu Treffen mit Kunden, Messen, u.ä.). Weitere Ausgaben sind u.a. Büromaterial und Arbeitsgeräte. Gerade wenn Sie Ihr Geld mit Heimarbeit im Internet verdienen, können Sie problemlos einen neuen leistungsfähigen Laptop, einen Drucker und die DSL-Leitung von der Steuer absetzen.

Wenn Sie als hauptberuflich Gewerbetreibender noch eine Aushilfe einstellen, die Ihnen einige Stunden pro Woche zur Hand geht, können Sie die Kosten für ihre Arbeitskraft übrigens auch von den Steuern absetzen.

Beim Arbeitszimmer gibt es jedoch gewisse Regeln. Ärgerlich für viele ist, dass ein Arbeitszimmer nur dann als solches abgesetzt werden kann, wenn es sich um einen eigenen abgeschlossenen Raum handelt, der mit der Tür vom restlichen Wohnraum abgetrennt wird. Wenn Sie dagegen eine Ecke im Wohnzimmer als Arbeitszimmer einrichten, können Sie dies nicht absetzen. Das gleiche gilt zum Beispiel, wenn es sich um ein kleines Durchgangszimmer zwischen Küche und Wohnzimmer handelt, in dem gerade mal ein kleiner Schreibtisch mit Laptop Platz findet. Für Großstädter, die ohnehin unter den horrenden Mieten ächzen, lohnt es sich meist nicht, von einer Zwei- in eine Drei-Zimmr-Wohnung zu wechseln, nur um das zusätzliche Arbeitszimmer steuerlich absetzen zu können. Nutzen Sie in einem großen Haus jedoch ein Zimmer nur als „Rumpelkammer“, ist es sinnvoll, dieses Zimmer mit Schreibtisch, Computer und Regalen zum echten Arbeitszimmer umzugestalten.

Wer lediglich Heimarbeit im Nebenjob ausübt, kann das Arbeitszimmer übrigens auf gar keinen Fall von der Steuer absetzen: Hier gilt die Regelung, dass der „Berufsmittelpunkt“ außer Haus liegt – in diesem Fall nämlich im Büro, wo die Vollzeitstelle ausgeübt wird.

Steuerberater ja oder nein?

Steuerberater lassen sich ihre Dienste einiges kosten. Dennoch sollten Sie gerade in den ersten Jahren auf professionelle Hilfe setzen. Schließlich wollen Sie nicht zum Steuerhinterzieher werden und Unwissenheit schützt bekanntlich nicht vor Strafe. Auch riskieren Sie so keine Fehler, die später zu teuren Nachzahlungen führen können. Haben Sie sich als Freiberufler oder Gewerbetreibender dauerhaft erfolgreich etabliert und wissen recht gut, wie die Steuererklärung abläuft, können Sie dies dann irgendwann auch selbst übernehmen. Am Anfang sollten Sie sich jedoch auf das konzentrieren, worauf es ankommt: Ihr zartes Pflänzchen Selbständigkeit päppeln und zum finanziellen Erfolg führen. Viel Glück!

schreibt regelmäßig für Heimarbeit Online.


Diesen Artikel teilen

Jetzt anmelden

Bis zu 15€ pro Umfrage verdienen oder Gutscheine, Produkte und vieles mehr erhalten.

Weiblich
Männlich
Wir schützen Ihre Daten: Datenschutz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.