Stiftung Warentest und Heimarbeit


Schreibarbeiten in Heimarbeit

Nicht nur Verbraucherzentralen warnen immer wieder vor unseriösen Anbietern, die aus der Hoffnung vieler Jobsucher aus einer gutbezahlten Heimarbeit Profit schlagen wollen. Auch Stiftung Warentest hat sich mit der Qualität von Nebenjob-Angeboten beschäftigt. Immer wieder melden sich enttäuschte Nebenjobber bei den Verbraucherschützern, nachdem sie auf unseriöse Annoncen hereingefallen sind.

Bereits vor einigen Jahren hatten die Tester der Stiftung bundesweit Angebote für Heimarbeit und andere Nebenjobs in den Wochenendausgaben von elf Tageszeitungen ausgewertet. Dabei konzentrierten sie sich auf dubiose Annoncen, die den Leser sowohl über den Auftraggeber als auch über die zu vergebende Tätigkeit im Dunkeln ließen. Anzeigen, in denen das inserierende Unternehmen genannt war oder eine Telefonnummer angegeben war, blieben im Test ebenso unberücksichtigt wie normale Gesuche nach Putzhilfen, Pizzafahrern oder Gärtnern.

Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Stiftung Warentest, Ausgabe 02/2000 veröffentlicht. Abgesehen von wenigen Abwandlungen sind viele Abzocker auch heute noch mit den gleichen Maschen unterwegs.

1. Geld ausgeben statt Geld verdienen

Ob Wundertüten füllen, Bastelarbeiten, Prospekt-Falz-Etiketten-Services, Stricken, Kabelmontage oder Kugelschreiber zusammen bauen: So vielfältig diese Jobideen auch klingen mögen, die Masche der Abzocker ist immer dieselbe. Statt Arbeit bekommen Gutgläubige, die sich auf diese Anzeigen melden, teures und wertloses Informationsmaterial geschickt. Manchen wird zusätzlich noch ein “Gebietsschutz mit Abnahmegarantie” für die fertigen Bastelarbeiten angedreht, und natürlich muss dafür wieder gezahlt werden. Doch einen Lohn für seine Heimarbeit sieht der geprellte Jobsucher nie: Entweder die zusammengebauten Sachen werden unter dem Vorwand abgelehnt, die Qualität sei nicht hoch genug, oder der Anbieter ist plötzlich gar nicht mehr erreichbar.

2. Warnung vor Multi-Level-Marketing (MLM)

Wenn man sich auf eine Anzeige im Internet in der Zeitung telefonisch meldet und der Gesprächspartner weder den Zweck noch den Namen des Unternehmens nennen will, sollten alle Alarmglocken läuten. Die Testpersonen erlebten dieses Verhalten vor allem bei Anbietern wie Amway und Herbalife. Diese Firmen arbeiten wie viele andere nach dem “Multi-Level-Marketing” (MLM), einem System, dass angeblich fantastische Verdienstaussichten verspricht.

MLM soll so funktionieren: Kunde 1 kauft Kosmetik, Reinigungsprodukte, Lebensmittel oder andere Waren einer MLM-Firma und kommt dabei angeblich in den Genuss eines hohen Rabattes von beispielsweise 50 Prozent. Gleichzeitig verpflichtet er sich als „Mitarbeiter“, noch mehr Ware zu kaufen, um sie weiterzuverkaufen. Die so auf Level 2 geworbenen Neukunden steigen dem System zufolge wiederum als Mitarbeiter ein und werben nun ihrerseits weitere Kunden. Kunde 1 erhält für die Ware, die die von ihm gefundenen Mitarbeiter auf Level 2 verkaufen, zusätzlich Provisionen – in der Theorie. In der Praxis berichteten die Tester davon, wie Interessenten an einer Heimarbeit mit MLM zunächst wieder teure Informationsmaterialien bestellen mussten, bevor sie im Falle Herbalife Waren im Wert von 4000 Euro im Voraus bezahlen sollten. Viele Jobsucher bleiben jedoch am Ende auf den Produkten sitzen, denn nach kurzer Zeit lässt das Interesse bei den geworbenen Verwandten und Freunden nach, jede Creme bei ihrem MLM-Bekannten zu bestellen. Im Bekanntenkreis können MLM-er so zum Außenseiter werden, weil sie ihren Freunde ständig mit neuen Produktangeboten auf den Geist gehen.

3. Vermeintliche Jobs in der Finanzbranche

Auch Nebenjobs, die von Firmen in der Finanzbranche angeboten werden, nahmen die Stiftung Warentest Tester ins Visier. Auch diese Inserenten gaben sich zunächst geheimniskrämerisch, machten aber beim ersten Treffen einen professionellen Eindruck in Anzug und Krawatte. Es solle darum gehen, wie man bei einem Bruttoverdienst von 2400 Euro überhaupt keine Steuern zahlen brauche. Wie das gehen soll, wurde leider nicht verraten, auch nicht, woraus eigentlich der Nebenjob bestehen solle.
Erst beim vierten Treffen rückte der Anzugträger mit der Sprache heraus: Der Tester solle gleich sofort eine fondsgebundene Lebensversicherung abschließen, 15 Prozent Rendite seien garantiert. Er wurde stark unter Druck gesetzt, die Sache sei eilig und Bedenken seien unnötig. Von einem Job oder Heimarbeit war keine Rede mehr.

Checkliste für Jobangebote

Die folgenden Merkmale unseriöser Annoncen tauchten laut Stiftung Warentest immer wieder im Kleinanzeigenteil der Tageszeitungen auf. Auch bei Nebenverdienst-Angeboten im Internet sollten Interessenten lieber einen großen Bogen um den angepriesenen Nebenjob machen, sobald auch nur einer der unten genannten Punkte zutrifft.

  •  Wenn Sie in Vorkasse gehen sollen, um einen Job zu bekommen, sollten Sie unbedingt abwinken, ganz gleich, welche Begründung sich die Anbieter ausgedacht haben. Ein seriöser Arbeitgeber würde eventuell nötige Vorkosten selbst vorstrecken.
  • Wenn Ihnen märchenhafte Verdienstaussichten versprochen werden, zum Beispiel 8000 Euro im Monat bei wenigen Stunden Arbeit in der Woche, ist etwas faul.
  • Wenn überhaupt keine Vorkenntnisse erforderlich sind, stimmt etwas nicht.
  • Wenn der Firmenname in der Anzeige nicht genannt und auch auf Nachfrage verschwiegen wird und
  • Wenn das erste Treffen in einer Hotellobby oder einem Café stattfindet, ist das unseriös. Selbst wenn es sich um ein Ein-Mann-Unternehmen handelt, so gibt es in der Regel ein Heimbüro, in das er Interessenten einladen kann
  • Finger weg von teuren 0900-er Rufnummern in der Anzeige. Manchmal wird die Nummer auf dem Anrufbeantworter genannt, nachdem Jobsucher eine normale Festnetz- oder Handynummer anrufen.

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